Im Test: Die Lumia 550 Kamera

Lumia 550 FotoÜber die Feiertage hatte ich auch endlich Zeit eurem Wunsch nachzukommen, die Kamera des Lumia 550 etwas ausgiebiger zu testen.

Das geht nicht mal eben mit drei schnellen Schnappschüssen, zumindest wollten wir vor einem Test etwas genauer hinsehen, und vor allem wissen, wie sich die Linsen des ersten Low Budget Modells mit Windows 10 Mobile machen.

Ich möchte gleich zum Anfang mal etwas direkt werden: Wer bei einem Telefon in der Preisklasse 120- 130 Euro ein Kamerawunder erwartet, sollte mal seine Einstellung zu Erwartung, Preis und Machbarkeit prüfen.

Bei Schnappschüssen tagsüber kann man in der Regel alle Einstellungen auf automatisch gestellt lassen. Das 550 regelt die Einstellungen gut von alleine. Die Farbwiedergabe ist für eine digitale Kamera recht realistisch.

Ich muss dazu schreiben, die Kamera hatte bei dem Test keinen einfachen Stand, die Sonne stand wie im Winter üblich sehr tief, allgemein war die Umgebung sehr grell. Wer viel fotografiert kennt das Problem mit der Überblendung. Das spiegelt sich auch entsprechend an der Struktur von harten Kanten wieder.

Mit der Sonne im Rücken (Foto rechts, rostiger Kahn) sind die Bilder in der Struktur sauberer. Wie ihr schon merkt, habe ich mich mehr auf für die Kamera „anstrengendere“ Situationen konzentriert. Schnappschüsse in „normaler“ Umgebung beherrschen inzwischen so ziemlich alle Windows Smartphones jenseits der 100 Euro.



Was die Blendempfindlichkeit anbelangt macht die Kamera eines Telefons in der Preisklasse eine sehr gute Figur, selbst bei dem Lumia 1020 hatte ich diesbezüglich gefühlt mehr Schwächen in der Regulierung.

Auch wenn es auf den Bilder- genau deshalb- nicht zu sehen ist: Der direkte Blick in die Sonne war nicht möglich, hielt ich die Hand vor die Sonne, waren für das menschliche Augen dennoch nur sehr schwer Konturen erkennbar.

In solchen Situation halte ich die Kamera zum Testen direkt in die Sonne, und staune manchmal, was dann noch verwertet werden kann.



Kanten und Treppchenbildung sind kein Problem mit dem Lumia 550, da habe ich- was Kanten und Raster anbelangt, schon weit schlechtere Erfahrungen gemacht. Auch bei Nahaufnahmen macht das Modell eine gute Figur, die Details in den Fenstern der Aufnahme 1 sind nicht schlecht, bemerkenswert sind auch die Details der Schnüre auf den beiden Angelrollen.



Was Makro– Aufnahmen anbelangt, habe ich stellenweise selbst bei den billigsten Lumia schon gestaunt. Schärfe und Unschärfe im Fokus lassen sich zwar bei den Top- Modellen noch feiner regulieren, aber auch die Billig- Linsen brauchen sich in der Disziplin keinesfalls verstecken.

Alle Bilder in diesem Beitrag sin absolutes Rohmaterial, kein Schnitt, keine Nachbearbeitung, deshalb habe ich von der Makroaufnahme mit dem Loch im Stein auch keine Aufnahme ohne Finger. 😉

Beim Makro habe ich den Fokus selbst eingestellt.



Das alles sind aber noch nicht die hohen Künste digitaler Kameras unserer Zeit. Die Königsklasse guter Kameras ist die Beherrschung guter Aufnahmen in dunkler Umgebung, und genau hier muss man Abstriche machen.

Alle Lumia 920+ sind dort Meister ihrer Klasse, mit dem 550 wird eine Nachteule nicht glücklich. Egal welches Restlicht die Kamera bekommt, und wie man es mit den ISO Werten einfangen will, nachts taugt die Kamera in der Wurzel nichts.

Bei halbwegs normaler Ausleuchtung, zum Beispiel in Wohnstuben, ist die Kamera gerade noch so Schnappschusstauglich. Wo bei den Lumia mit Carl Zeiss Qualität ein Stern am Himmel zur Restlichtverstärkung stellenweise ausreichend ist, versagt dass 550 wie alle Kollegen im Low Budget Segment gänzlich.

Starkes Rauschen und Kontrastlosigkeit sind die Folge. Das widerspricht aber auch nicht meinen Erwartungen. Unklar ist für mich nur noch, wann das Lumia sich dafür „entscheidet“ Bilder nachzuregulieren, oder wann „it is like it is“ auf dem Plan steht.

Mal entsteht starkes Rauschen ohne softwareseitiger Nachbearbeitung, mal geht man zurück auf das zuletzt gemachte Bild, und die Kamera meldet vor der Anzeige „Letzter Feinschliff…“, bei der das Rauschen nachbearbeitet, aber das Foto leider zum Nachteil der Schärfe verändert wird.



Bei der automatisierten Nachbearbeitung wird die ISO scheinbar aus der ISO 1600 Zone in einen gängigen Bereich zwischen 100- 200 reguliert und somit die Schärfe zugunsten der Rauschunterdrückung reduziert.

Dadurch wirken die Bilder sehr plastisch, an eine automatisierte Aufhellung, wie sie mit hochwertigen Lumia stattfindet, ist bei weitem nicht zu denken.

Hardwareseitig hatte ich große Schwierigkeiten durch den fehlenden Knopf für Aufnahmen. Den „Fotoapparat“ ständig aus der App oder dem Action Center zu starten gestaltet sich für häufige Aufnahmen als nervig. Gefühlt waren viele Aufnahmen durch das Auslösen per Display auch verwackelter.

Auch insgesamt ist es ratsam mehr Aufnahmen zu machen, als bei den großen Brüdern, der Bildstabilisator lässt nämlich auch zu wünschen übrig, dass merkt man, sobald die Settings manuell eingestellt werden.

Mein Fazit lautet dennoch: Für ein Gerät in der Preisklasse wurden meine Erwartungen übertroffen. Klar muss man Abstriche machen. Wie stark die Ausfallen liegt aber vor allem an der eigenen Erwartungshaltung und an den Geräten die bisher genutzt wurden. Bei Tagaufnahmen und gut ausgeleuchteten Wohnungen kann man die Lumia 550 Kamera nutzen, für nachtaktive Fotofans ist das Gerät aber der falsche Begleiter.


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